Simon Peters ist der Hauptdarsteller der zwei Tommy Jaud Romane Vollidiot und Millionär. Ich habe gerade Millionär ausgelesen. Den wesentlichsten Teil seiner Zeit verbringt Simon Peters darin damit, sich bei Hotlines über Produkte zu beschweren. Weil irgendjemand ja die Welt verbessern muss, meint er. Naja, und weil es von den Firmen für ausgestandene Unannehmlichkeiten immer was geschenkt gibt.

Ganz nach Vorbild Simon Peters habe ich das mit dem Beschweren gestern auch gemacht. Ich brauchte ein Buch für die Uni. Das Buch hatte ich schon vorbestellt gehabt und als ich es zahlen wollte, fiel mir auf, dass der ausgezeichnete Preis nicht derselbe war, wie der, der mir in Rechnung gestellt wurde. Sauguter Deal für mich: 11,70€ weniger hätte mich das Buch gekostet. Aber Abzocken beherrsche ich nicht, also sprach ich die Dame beim Zahlen auf die Preisdifferenz an. Was dummerweise dazu führte, dass der Sachverhalt mit dem Preis geklärt und schließlich aufgeklärt wurde. Nun sollte ich doch die 11,70€ mehr zahlen. Was mich dann schon wütend machte, weil keine Entschuldigung, dass ich jetzt doch mehr zahlen muss, kein Danke für den Hinweis und vor allem: hätte ich geschwiegen — wie fast jeder andere- , hätte ich die 11,70€ nicht zahlen müssen. Keiner hätte es gemerkt. Ich wäre einfach aus dem Laden spaziert und hätte mich meines Glücks gefreut. Als ich die Kassiererin also darauf ansprach, fiel ihr nicht viel ein. Sie hat sich irgendwie persönlich angegriffen gefühlt, konnte mir bei der Diskussion nicht mal in die Augen sehen und das Thema war damit beendet, dass die 11,70€ nachgezahlt wurden, basta!

Auf dem Weg zum Ausgang hatte ich das Gefühl, dass das Thema noch nicht abgeschlossen sei. Und nach einer kurzen Rücksprache mit meinem Freund stand ich an der Information, bereit, diese gemeine Situation zu schildern. Ich wusste, die 11,70€ will ich wieder haben… oder ein Wiedergutmachungsgeschenk.

Die Situation wurde erneut erzählt, der Sachverhalt im PC noch mal nachvollzogen, eine Kollegin befragt und abschließend ein Telefonat geführt, in dem die Erlaubnis eingeholt wurde, dass 11,70€ gut geschrieben werden dürfen. Und alles nur, weil ich betont habe, dass ich es nur gut gemeint habe, dass ich dachte, die Kassiererin möchte das wissen, damit solche Fehler in Zukunft nicht wieder auftreten, und dass ich denke, dass man mir für meine Offenheit nicht dankbar genug ist.

Die 11,70€ bzw. 9,70€ waren sehr schnell wieder bei Starbucks versoffen. Aber ich habe gleich 3 Dinge daraus gelernt:

  1. Ehrlichkeit stirbt aus
  2. Halt also besser den Mund
  3. Der Kunde ist heute nur noch König, wenn der König weiß, wie man sich beschwert