Jetzt muss ich endlich mal loswerden, was mich im Alltag regelmäßig sehr annervt. Ihr als unsere Leser dürft euch geehrt fühlen, dass ihr mit dem Wissen dieses Posts zukünftig die Welt ein klein bisschen besser verstanden habt, als so einige andere.

Ich studiere nun bald im dritten Semester Psychologie. Und die wenigen, die das bisher nicht wussten und mich nicht kennen, werden jetzt vermutlich so reagieren: “Hoffentlich werde ich die nicht kennenlernen müssen, weil sie wird mich durchschauen und mir all meine Probleme ansehen können”. Oder: “Ich wollte schon immer mal mit jemandem über meinen Kummer sprechen.”. Oder auch: “Oh, die kann bestimmt total gut mit Menschen umgehen”. [Die, die mich kennen, wissen, dass das letztere definitiv nicht zu meinen Qualitäten gehört, da ich annähernd ein Einzelgängerleben führe und den Umgang mit Menschen meist sehr anstrengend finde.]

Psychologen und Psychologiestudenten haben es nicht leicht im Leben. Regelmäßig müssen sie Menschen erklären, dass Psychologen nicht das sind, was jeder glaubt, was sie sind. Vergangene Woche zum Beispiel habe ich mich auf nen Aushilftsjob bewerben wollen und folgendes war die Reaktion auf mein Studienfach: “Oh, das ist gut für den Umgang mit Kunden im Verkauf”. Am liebsten hätte ich dem Idioten geantwortet: “Ja? Was denn davon, was ich so lerne: Statistik, Biologie oder Gehirnkunde” Natürlich habe ich das nicht getan.

Und jetzt möchte ich allen Unwissenden mal erklären, was Psychologen lernen. Und vielleicht werdet ihr dann erkennen, warum so viele Menschen (und sehr viele Männer darunter) Psychologie studieren möchten: weil es nämlich wirklich sauinteressant ist. Psychologen lernen Grundlagen dessen, wie der Körper des Menschen funktioniert (also ein bisschen Medizin), sie lernen vor allem sehr viel über das Gehirn und dessen Aufbau. Psychologiestudenten bekommen Statistik eingetrichtert, weil Psychologen wissen müssen, wie man für jegliche Studien mit Menschen Statistiken auswertet. Dann lernen wir Psychos, wie der Mensch aufwächst, worin sich Menschen unterscheiden und worin alle Menschen ähnlich sind, z.B. darin, dass sie mit Augen, Ohren, Nase, Mund und Haut die Welt wahrnehmen und wie das funktioniert. Das Thema geht endlos weiter, weil Psychologen sich eigentlich mit allem beschäftigen, was das Wesen des Menschen ausmacht. Alles harmlose Themen und alles hochtheoretisch. Und zu keinem Zeitpunkt sitzen wir zusammen und gucken uns einzelne Menschen an, wenden pseudo-magische Blicke an und nehmen sie auseinander. Sowas machen nur Journalisten und Klatschtanten.

Und dann gibt es die Psychotherapeuten. Das sind die, vor denen man Angst haben muss, dass sie einen durchschauen. Das sind nämlich die, die irgendwie den “Blick” entwickeln, alle Worte hinterfragen und ziemlich tief bohren möchten. Psychotherapeuten machen eine separate Ausbildung, in der sie wer weiß was lernen, um hinterher problembehafteten Menschen oder wirklich kranken Menschen seelisch beizustehen. Aber von der Welt der Psychotherapeuten weiß ich wirklich nicht viel und als solcher werde ich auch nicht enden. Weshalb man von mir auch keine Angst haben muss.

Was ich euch damit sagen will: Psychologen sind nette Menschen und wissen einfach nur ein bisschen mehr über die den Menschen an sich (nicht als Individuum). Damit sind alle Vorurteile – wie sie selbst in Bewerbungsgesprächen auf die Probe gestellt werden – total unangebracht. Und wenn ihr bedenkt, dass z.B. in der Unternehmensberatung häufig Psychologen zu finden sind und Unternehmungsberatung eigentlich etwas total unpersönliches (und langweiliges) ist, dann wird wohl klar, dass Psychologen wirklich total andere Dinge lernen, als das, was man immer gerne annimmt.

Wenn man bei mir Rat in Beziehungsproblemen oder Lebenskrisen sucht, dann werde ich höchstens mein Bauchgefühl und meine eigenen Erfahrungen heranziehen. Weil auch hier werde ich mit Statistik und irgendwelchen hochtheoretischen Konstrukten über das Wesen des Menschen nicht wirklich Hilfestellung leisten können.